Timmendorfer-Tasten-Tage erstmals vom 18. bis 20. September
Timmendorfer Strand. In der Waldkirche in Timmendorfer Strand finden vom 18. bis 20 September die Ersten Timmendorfer-Tasten-Tage statt.

Clavichord aus dem Besitz von Jan Weinhold – Nachbau eines Instruments von Johann Christian Gerlach (Hamburg, 1780). (Foto: Jan Weinhold)
Kirchenmusiker Jan Weinhold konnte für die vier Konzerte und einen Gottesdienst, bei denen historische Instrumente wie das Clavichord und das Cembalo im Mittelpunkt stehen, den Tenor Jan Kobow sowie die auf dem Clavichord versierten Musiker Bernhard Klapprott und Anna Maria McElwain gewinnen. Auch Weinhold selbst wird auf diesem sonst eher selten gehörten Instrument sowie an der Orgel spielen.
Erwachsen ist die Idee für die Timmendorfer-Tasten-Tage aus der erfolgreichen Waldkirchen-Konzertreihe „Musik zur Nacht bei Kerzenschein“. Was im Pandemiejahr 2020 als kreativer Ausweg aus der Krise begann, hat sich zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt. Im siebten Jahr der Reihe verzeichnete die Kirchengemeinde auch in diesem Sommer einen weiteren Anstieg der Besucherzahlen.
Der Kirchenmusiker und Cembalist Jan Weinhold hatte 2020 die Idee, dieses kurze, besinnliche Format in besonderer Atmosphäre anzubieten. In der von Kerzenlicht erleuchteten Kirche lauschen die Besucher jeweils 30 Minuten lang den Klängen des historischen Cembalos. Startete das Projekt anfangs mit nur vier Sommerabenden, finden mittlerweile jährlich zehn Konzerte statt, die Stammgäste von nah und fern anziehen. Nach den Auftritten nutzen die Gäste regelmäßig die Möglichkeit, am Instrument mit Jan Weinhold ins Gespräch zu kommen. Das Konzept sorgt zudem für positive Synergie-Effekte mit den regulären Gottesdiensten und Veranstaltungen der Gemeinde. Das anhaltend hohe Interesse an historischen Tasteninstrumenten, die durch Jan Weinholds Wirken eine lange Tradition in der Gemeinde genießen, gab nun den Anstoß für die Timmendorfer-Tasten-Tage.
Die Konzertreihe steht unter dem Motto „Du meine Seele singe“ und so wird dann auch beim ersten Konzert am Freitag, 18. September um 19 Uhr neben Jan Weinhold am Clavichord der Tenor Jan Kobow musizieren. Zu hören sind Lieder unter anderem von Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann Bach sowie von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn.
Am Samstag 19. September um 16 Uhr sind es wiederum Werke der beiden Bach-Söhne die das Programm bestimmen, wenn der Weimarer Musikprofessor Bernhard Klapprott auf dem Clavichord und dem Cembalo spielt. Den Abend gestaltet dann um 19 Uhr Jan Weinhold am Clavichord mit Mozart-Werken.
Im Sonntagsgottesdienst um 11 Uhr werden Weinhold und der Tenor Jan Kobow Musik von Johann Wolfgang Franck, Georg Böhm und Johann Sebastian Bach zu Gehör bringen. Am Nachmittag um 16 Uhr spielt dann Anna Maria McElwain am Clavichord Werke von Bach, Haydn und Ludwig van Beethoven.
Der Eintritt zu allen fünf Veranstaltungen ist frei. Allerdings hofft Kirchenmusiker Weinhold auf die Spendenbereitschaft der Besucher. Unterstützt werden die Timmendorfer-Tasten-Tage von der Ulbrich-Stiftung und dem Kirchenkreis Ostholstein. Das Programm findet sich auch unter www.waldkirche-timmendorfer-strand.de im Internet.
Clavichorde gibt es seit dem 14. Jahrhundert. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte es seine Blütezeit und wurde im deutschsprachigen Raum zum Mode-Instrument der Empfindsamkeit. In dieser Epoche, die nach maximalem emotionalem Ausdruck und Intimität strebte, habe das Wort „Clavier“ oft als Synonym für das Clavichord gestanden, sagt Jan Weinhold. Kein anderes Instrument habe es erlaubt, durch die Mechanik der Bebung – ein Vibrato, das durch bloßen Fingerdruck erzeugt wird –, Gefühle so unmittelbar und nuanciert auf eine Saite zu übertragen.
Während bereits Johann Sebastian Bach das Clavichord als sein liebstes Instrument für den privaten Kreis und das Studium nutzte, erreichte es durch seinen Sohn Carl Philipp Emanuel Bach seine Hochblüte. Weinhold: „Letzterer galt als der unbestrittene Clavichord-Virtuose Europas und schrieb Kompositionen wie die ‚Sonaten für Kenner und Liebhaber’ direkt für dieses Instrument. In seinem wegweisenden Standardwerk „Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen“ aus dem Jahr 1753 erklärte er das Clavichord sogar zum Fundament aller Tastenspieler, da jeder, der dieses sensible Instrument feinfühlig beherrschte, auch jedes andere Tasteninstrument spielen konnte.“
Geschrieben am:
14. September 2026

