Für Glaube und Kirche braucht sie nicht viel

Süsel. Nach fast zwölf Jahren im Amt verlässt Pastorin Kristina Warnemünde die Kirchengemeinde Süsel und übernimmt eine neue Aufgabe im Nachbarkirchenkreis Altholstein. Ihren letzten Gottesdienst in St. Laurentius in Süsel feiert sie am Erntedank-Sonntag, am 4. Oktober um 15 Uhr, in dem sie von Pröpstin Christine Halisch verabschiedet wird. Im Anschluss ist ein kleiner Empfang geplant.

Pastorin Kristina Warnemünde wechselt nach Kiel. Foto: Stefanie Rasmussen/Kirchenkreis Altholstein

Dass sie Pastorin werden würde, war für die 48-Jährige schon im Kindesalter klar, obwohl ihre Eltern nur sehr wenig mit der Kirche am Hut hatten. Aber der Pastor, der in ihrem Heimatort Hohenaspe im Kreis Steinburg in die Kita kam und später auch die Schulgottesdienste feierte, war für sie ein Vorbild: „Ich fand es immer toll, wenn der Pastor kam.“ Und Kirchen liebte sie sowieso, ließ keine unbesucht und traf auch Menschen, die sie in ihrem frühen Entschluss bestärkten.

Nach dem Abitur in Itzehoe lernte Kristina Warnemünde Latein, Griechisch und Hebräisch in sehr kurzer Zeit und studierte Theologie in Kiel sowie zwei Semester in Berlin. Nach einem längeren Aufenthalt auf Rhodos, wo sie als Gemeindehelferin der deutschsprachigen Gemeinde arbeitete, absolvierte die Pastorin ihr Vikariat in den Kieler Kirchengemeinden von Dietrichsdorf und Pries-Friedrichsort.

2008 in Lübeck ordiniert, übernahm Warnemünde die Stelle einer Projektassistentin bei einer Kirchenkreisfusion in Nordfriesland und konnte 2009 endlich ihre erste Pfarrstelle in Owschlag antreten, wo sie bis Anfang 2015 blieb.

Und dann also Süsel: Mit ihrem Mann, einem gebürtigen Kieler, und ihren zwei Kindern, die inzwischen zur Welt gekommen waren, zog sie nach Sierksdorf, unweit vom Strand. Auf die Frage, was ihr in den vergangen Jahren am besten gefallen hat, sagt Warnemünde spontan: „Die Arbeit am Strand.“ Und nach kurzem Überlegen: „Ich mag den freien Himmel, die Weite.“ Sich vernetzen, mit Menschen auch von außerhalb der kirchlichen Kerngemeinde in Kontakt kommen, „davon profitieren alle, das mag ich total“, so die Theologin. Sie erinnert sich an Urlaubsgäste, die mit ihren Kindern in all den Jahren zu den beliebten „Gute Nacht-Geschichten im Strandkorb“ gekommen sind. „Da waren die Kinder am Anfang klein – jetzt natürlich nicht mehr“, sagt sie lachend. Sehr gern hat sie auch die Strandtaufen gemacht, die meist unter einer Birke im Pastoratsgarten begannen und dann am Strand ihren Höhepunkt fanden.

Inzwischen sind die eigenen Kinder aus dem Haus und das Ehepaar Warnemünde wollte jetzt noch einmal eine neue Herausforderung suchen. Und da passte es wie die Faust aufs Auge, dass ausgerechnet die Kompass-Kirchengemeinde im Kieler Norden, nördlich des Kanals, eine Stelle ausgeschrieben hatte – denn unter anderem gehören Pries und Friedrichsort zum Gemeindegebiet. Für Warnemündes ist der Aufbruch also auch eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. „Ja, es ist auch ein Stück Heimat, auch wenn ich gar nicht aus Kiel komme.“

Was sie als Erfahrung aus den Jahren in der Strandregion mitnimmt? Kristina Warnemünde: „Glaube und Kirche hängen nicht an Gebäuden und Geld. Bei den Taufen waren nur die Familien und ich dabei, die Birke im Garten und dieser wunderbare Strand.“

Geschrieben am:

23. September 2026