„Kirche hat sich schon
immer verändert“
Neustadt in Holstein. Helge Jörgensen vervollständigt ab dem 1. September das Pastorenteam der Kirchengemeinde Neustadt. Der 37-Jährige wird am Erntedanksonntag (4. Oktober) um 15 Uhr in der Stadtkirche durch Propst Dirk Süssenbach offiziell in sein Amt eingeführt. Im Anschluss an den Gottesdienst lädt der Kirchengemeinderat zu einem Empfang ins Gemeindehaus ein – wo dann auch ein erster Austausch mit dem „Neuen“ möglich sein wird.

Pator Helge Jörgensen vor der Stadtkirche Neustadt. (Foto: KKOH/ Heinen)
Helge Jörgensen wuchs in Bad Schwartau auf, wo auch noch seine Eltern und Geschwister leben, und zog zum Theologiestudium nach Münster. Er tat es damals noch ohne den festen Vorsatz, Pastor zu werden. „Studieren war für mich tatsächlich eine Horizonterweiterung“, erinnert er sich. In Münster lernte er seine aus Minden stammende Frau Susann kennen, mit der er inzwischen drei Kinder hat; ein Familienhund gehört auch dazu.
Nach einem Auslandssemester in Kopenhagen ging es nach Greifswald, wo Jörgensen sein Examen machte. Die Entscheidung für den Norden fiel, „weil ich meine Frau vom Leben am Strand ein bisschen begeistern konnte“, wie er sagt. Auch sein Vikariat absolvierte er – übrigens zusammen mit Altenkrempes Pastor Friedemann Holmer – im Vorpommerschen. Nach einer Zwischenstation in Dithmarschen ging es zurück, zunächst in eine kleine Gemeinde bei Anklam und schließlich auf seine erste Pfarrstelle in dieser kleinen Stadt an der Peene, unweit von Usedom.
Drei Jahre blieb die Familie dort. Allerdings ist es von Anklam nach Bad Schwartau recht weit und erst recht nach Minden. Sich da noch einmal neu zu orientieren, um die Eltern häufiger sehen zu können, lag nahe. Neustadt sei sowohl geografisch wie auch inhaltlich deshalb ein Volltreffer, sagt Helge Jörgensen. Eine Gemeinde, die sich öffnen und neu orientieren will, das sei „eine tolle Situation, um neu anzufangen“. Denn der Pastor ist sich sicher, „dass wir nichts davon haben, wenn wir Kirche als Traditionsverein in Abwicklung begreifen. Die Institution Kirche merkt immer deutlicher, dass ein Innovationsdruck da ist.“ Es sei „nicht schlecht, neu über verschiedene Konstellationen nachzudenken, denn das muss nichts Schlechtes sein. Aber natürlich kenne ich die Sorgen und die Nöte, und das verstehe ich“, sagt er.
Kirche als Institution habe sich aber schon immer verändert. „Das trifft auch auf unsere Zeit zu. Insofern habe ich keine Angst davor, sondern glaube, dass man es als Chance begreifen kann und gut gestalten muss.“ Die wichtigste Frage ist für Jörgensen, was Kirche inhaltlich will. „Man könnte sagen, Kirche ist ein Ort gelebten Glaubens und somit der Hoffnung. Und als solcher ist er momentan in unserer Gesellschaft ein unheimlich wichtiger Ort.“ Und weil Hoffnung und Zukunft zusammengehören, da ist sich der Theologe sicher, „kann man vielleicht ein kleines bisschen mutiger die Schritte setzen und muss nicht bei jedem Schritt Angst haben, dass man ganz furchtbar viel verliert. Ich glaube, man darf Vertrauen haben, dass die Schritte gewinnbringend sind.“
Geschrieben am:
18. August 2026

