Die Geschichten hinter den Kriegsgräbern

Burg auf Fehmarn. Burg auf Fehmarn. Am Volkstrauertag (15. November) um 11 Uhr findet ein besonderes Projekt seinen Abschluss. Nach über zweijähriger Recherche und Zusammenarbeit mit Präses Dr. Peter Wendt in einer Arbeitsgruppe der Kirchengemeinde Burg, werden drei Infostelen auf dem Neuen Friedhof aufgestellt, um der Bevölkerung die Geschichte der Kriegsgräber auf Fehmarn und der Kriegsgräberstätte auf dem Neuen Friedhof zugänglich zu machen.

Ein Gedenkstein auf dem Friedhof mahnt seit 1960 mit einem Bibelwort, den Frieden zu wahren. Foto: privat

An den 29 Steinen hat der Zahn der Zeit genagt. Sie liegen im Rasen. Sonne, Wind, Regen, Hagel und Schnee gehen seit vielen Jahrzehnten über sie hinweg. Nur noch mit Mühe sind die verwitterten Namen zu lesen. Es sind die Namen von Menschen, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg zu Tode gekommen sind und auf Fehmarn bestattet wurden. Seit 1960 stehen die Steine an den Gräbern. Sie sind Teil eines Kriegsgräberfeldes, wie es sie an vielen Orten gibt.

Erste Ideen entstanden. Wäre es dran, die Steine aufwendig zu sanieren? Würde es reichen, die Namen mit Farbe nachzuzeichnen, wie es schon manches Mal in den vergangenen Jahrzehnten geschehen ist? Vor bald zwei Jahren fand sich eine vierköpfige Arbeitsgruppe und machte sich ans Werk. Schon bald wurde klar: Dieser Ort erzählt ganz vielfältig vom Schrecken des Krieges und seiner Realität. Auch auf anderen Friedhöfen Fehmarns wurden Soldaten, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kinder von Zwangsarbeiterinnen, Zivilistinnen und Zivilisten beigesetzt. Unter ihnen befinden sich auch Tote der Cap-Arcona-Katastrophe vom 3. Mai 1945, die an fehmarnschen Stränden geborgen und dann beigesetzt wurden.

Es wird der Arbeitsgruppe klar, wie wichtig es ist, mehr zu erzählen, als es die 29 Steine allein tun können. Die Beteiligten wollen davon erzählen, dass 1960 aus einem Gräberfeld eine bis heute zu schützende und zu erhaltende Kriegsgräberstätte wurde. Die Namen, die ihnen bekannt sind, sollen nicht vergessen werden. Von denen, die auf dem Friedhof bestattet sind. Und von denen, die dort bestattet waren und nach Umbettung ihre letzte Ruhe auf dem Cap-Arcona-Ehrenfriedhof in Haffkrug-Neukoppel fanden. Denn hinter jedem Namen steht ein ganzes Leben.

Drei Infotafeln sind entstanden. Sie erzählen die Geschichte des Ortes und nennen die Namen. Nach bestem Wissen und Gewissen wurden sie zusammengetragen. Das hat viel Mühe gemacht und Zeit gekostet. Und beides war es wert. Denn diese Sorgfalt, dieses Ringen, diese Liebe braucht es so dringend in einer Zeit, in der es sich manche vorstellen können, am Leid und an der Geschichte von Menschen vorbeizusehen. Pünktlich zum Volkstrauertag finden sie nun ihren Platz. Ganz in der Nähe der 29 Steine und einem großen Findling, der seit 1960 mit dem Bibelwort „Haltet Frieden untereinander“ die Menschen erinnert, ermutigt und ermahnt. An diesem Tag sollen das Erinnern und die Mühen um Frieden vor Gott gebracht werden. Ein guter Tag, um die ganz eigene regionale Geschichte zu entdecken.

Von Pastorin Bettina Axt/Pfarrsprengel Fehmarn

Geschrieben am:

6. November 2026