Breite Unterstützung
für Zukunftsprozess

Eutin. Dass es nicht um ein paar Reformen und Schnitte im Kleinen gehen würde, das war den 42 anwesenden Synodalen der Synode des Kirchenkreises von vornherein klar. Sie beschäftigten sich am Samstag, 29. August bei ihrer Tagung im Kreishaus mit dem Fahrplan für einen Transformationsprozess, bei dem alle Aufgaben, Leistungen und Kosten der kirchlichen Arbeit auf den Prüfstand kommen sollen.

Synode im Kreishaus Eutin. (Foto: Sven Radestock)
Mit großer Einmütigkeit wurden die zwei wesentlichen Anträge dazu einstimmig – bei nur wenigen Enthaltungen – beschlossen.
So wird nun eine zehnköpfige Arbeitsgruppe eingesetzt, die vor allem Handlungsempfehlungen erarbeiten und hierfür auch den Austausch mit interessierten Kirchengemeinderatsmitgliedern suchen soll. Außerdem werden verschiedene Prüfaufträge formuliert, die die Senkung von Kosten und die effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen zum Ziel haben.
Der Zeitplan sieht vor, im ersten Halbjahr 2027 eine erste Konzeption vorzulegen, die auf der nächsten Sommersynode beraten werden soll. Auf dieser Grundlage, so der Plan, werden dann der nächste Doppelhaushalt und die mittelfristige Finanzplanung bis 2035 zu beraten sein. Im Sommer
2028 hätten die Synodalen schließlich über entsprechende Umsetzungs- und Satzungsbeschlüsse zu entscheiden.
Bei der Einführung zum Thema verwies Pröpstin Christine Halisch auf den deutlichen Rückgang bei den Kirchenmitgliedern: Wurden 2010 noch mehr als 110.000 Gemeindeglieder gezählt, waren es im April dieses Jahres nur noch knapp 84.000 – was sich selbstredend auch auf die Kirchensteuereinnahmen auswirkt.
Demgegenüber sorgen steigende Tarife für höhere Ausgaben bei den Personalkosten, und in den Bereich der Gebäude fließt ohnehin ein beträchtlicher Teil aller Ausgaben. Georgy Palathunkal, der als bisheriger stellvertretender Verwaltungsleiter jüngst von Dr. Matthias Hoffmann das Amt des Verwaltungsleiters übernommen hatte, sagte, die Kirche in Ostholstein sei im Wortsinne „steinreich“. 311 Gebäude, davon 63 Kirchen und Kapellen, 46 Pastorate, 43 Gemeindehäuser zählte er auf. 232 Gebäude würden mit Öl- oder Gas beheizt, was jährlich Kosten von etwa 960.000 Euro verursache. Fast 125.000 Euro davon entfielen auf die CO2-Besteuerung – und auch die soll weiter steigen. „Ohne eine deutliche Reduzierung der Gebäude wird es nicht gehen“, sagte Propst Dirk Süssenbach an anderer Stelle der Tagung.
Bei der Beratung der Beschlussvorlage wies er darauf hin, dass es „ein schneller, agiler Prozess“ werden solle. Die Arbeitsgruppe, so ist es vorgesehen, wird keine endgültigen Entscheidungen treffen, sondern der Synode zuarbeiten, die dann entsprechende Beschlüsse zu fassen hat. Die Anliegen aller Interessengruppen können so eingebracht und berücksichtigt werden. In dem Prozess wird es auch einen regelmäßigen Austausch mit „Resonanzgruppen“ geben. Pröpstin Halisch sagte, es handele sich nicht um eine geschlossene Arbeitsgruppe, sondern es würden zu den einzelnen Themenfeldern interne und externe Fachleute hinzugezogen.
Aufgenommen wurde der Ergänzungsantrag eines Synodalen aus Hohenstein, in welchem betont wurde, dass die Kirchengemeinden durch den Strukturprozess nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden dürfen, sondern entsprechend des kirchenrechtlichen Rahmens am Ende ihre Entscheidungsgewalt ausüben können.
Der zweite wichtige Antrag betraf die Schaffung einer auf vier Jahre befristeten Stelle zur Leitung des Prozesses. Dr. Matthias Hoffmann soll diese Aufgabe übernehmen und mit seiner Erfahrung als langjähriger Verwaltungsleiter die Fäden bei der Bewältigung der verschiedenen Aufgaben der neuen Arbeitsgruppe in der Hand halten. Auch dieses Vorhaben wurde von den Synodalen einstimmig bei vier Enthaltungen gebilligt, sodass für Hoffmann, der so nur kurze Zeit als stellvertretender Verwaltungsleiter agiert, ein Nachfolger gefunden werden muss. Propst Süssenbach betonte, dass auf diese Weise an der Verwaltungsspitze ein fließender Übergang stattfinde.
Dass der Ernst der Lage nicht nur innerhalb kirchlicher Gremien längst ein Thema ist, hatten zum Auftakt der Synode schon Kreispräsidentin Petra Kirner und Eutins Bürgermeister Sven Radestock in ihren Grußworten deutlich gemacht. Kreistag und Synode hätten sehr viel gemeinsam, sagte Kirner. „Wir alle kennen begrenzte finanzielle Möglichkeiten bei gleichzeitig sehr unbegrenzten Erwartungen.“ Entscheidend sei für beide, dass hinter allen Zahlen Menschen stünden. „Menschen, die Erwartungen haben; Menschen, die Sorgen haben und Menschen, die vor allem Orientierung suchen.“ Kirche werde als Ort des Zuhörens gebraucht, als Ort, an dem Menschen Trost und Orientierung fänden.
Bürgermeister Radestock beschrieb eine Vielzahl unterschiedlicher und teils widersprüchlicher Erwartungen an Kirche, doch die Bereitschaft, sich selbst einzubringen, hätten nur wenige. Was Kirche tue, das sei wichtig, werde aber immer weniger wertgeschätzt. „Es ist ein Wert, der zu schätzen wäre. Ich hoffe sehr, dass er uns allen nicht erst dann so richtig bewusst wird, wenn er nicht mehr da ist“, so Radestock.
Die Synodalen entschieden außerdem, eine Änderung an dem Pfarrstellenzuschnitt der Kirchengemeinde Malente, wo in Kürze ein Pastoren-Ehepaar seinen Dienst beginnen wird und beide Eheleute auf halber Stelle arbeiten werden.
Außerdem wurden die Stellvertretungen für Pröpstin Halisch und Propst Süssenbach neu gewählt. Für die Propstei Eutin wird dies künftig Tourismuspastorin Gesa Paschen übernehmen, für die Propstei Oldenburg ist es Vertretungspastor Wolfram Glindmeier.

Geschrieben am:

31. August 2026