Als Meldebeauftragte wollte sie „konkret etwas verändern“
Eutin. Zum Ende des vergangenen Jahres hat Katha Kreitlow ihr Ehrenamt als unabhängige Meldebeauftragte des Kirchenkreises Ostholstein aufgegeben. Die 70-Jährige war 2018 gemeinsam mit Eberhard Jänsch-Sauerland in das Amt berufen worden, der seine Arbeit weiter fortführt.

Die Meldebeauftragten haben eine zentrale Funktion im Schutzkonzept des Kirchenkreises zum Umgang mit sexualisierter Gewalt. Sie sollen sicherstellen, dass allen Verdachtsfällen von sexualisierter Gewalt und anderem grenzüberschreitendem Verhalten nachgegangen wird und nichts „unter den Teppich gekehrt“ werden kann.
Zu konkreten Vorfällen, die eine Intervention erfordert und die Einberufung des dafür vorgesehenen Beratungsstabs nach sich gezogen hätten, kam es seither glücklicherweise nicht – wohl aber vier, fünf Mal pro Jahr zu Gesprächen, bei denen eine Befürchtung oder ein Verdacht geäußert oder in den Raum gestellt wurde, der auf Sachebene aber geklärt werden konnte. „Das sind eher Meldungen gewesen, die niedrigschwellig waren und über die wir uns gefreut haben, weil die jeweiligen Personen lieber einmal mehr gefragt haben. Solche Fragen sind natürlich wichtig“, berichtet Katha Kreitlow im Gespräch und schildert ein Beispiel: Eine Kindertagesstätte plante eine Veranstaltung mit „Bodypainting“ für die Kinder. Jemand wurde hellhörig und wandte sich an die Meldebeauftragten, die dann mit der Kita Kontakt aufnahmen und sich das pädagogische Konzept und die Vorkehrungen dahinter genau erläutern ließen, sodass Bedenken ausgeräumt werden konnten.
Allerdings gab es auch Hinweise an die Meldebeauftragten, die zur Folge hatten, dass Pröpstin Christine Halisch und Propst Dirk Süssenbach informiert wurden, ohne dass sich Verdachtsmomente dann jedoch erhärtet hätten. „Wenn es Hinweise gibt, das etwas vorgefallen sein könnte, dann sind wir verpflichtet, das an die Pröpstin oder den Propst zu melden. Das ist auch nicht verhandelbar“, so Kreitlow. Wobei es zu ihren Aufgaben gehörte, Angaben und Vorwürfe zunächst in aller Ruhe zu prüfen. „Es gibt ja immer zwei Seiten. Und man kann nicht gleich auf einen vermeintlichen Täter losgehen.“ Gerade bei anonymen Hinweisen sei die Aufklärung auf der Sachebene enorm wichtig, sagt die frühere Meldebeauftragte. Die eigene Unabhängigkeit der Prüfenden spiele dabei eine zentrale Rolle.
Von der Notwendigkeit und dem Konzept der Präventionsarbeit ist Katha Kreitlow nach wie vor überzeugt. Und das war auch ausschlaggebend, als sie sich – nach der Teilnahme an einem Präventionskurs – für die Aufgabe meldete. Bereits 2015 wurde im Kirchenkreis Ostholstein ein Arbeitskreis Prävention gebildet, noch bevor die Nordkirche für alle Kirchenkreise geltende Beschlüsse zur Prävention fasste. Anlass war damals das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen in Ahrensburg. 2016 beschloss der Kirchenkreisrat das vom Arbeitskreis vorbereitete Schutzkonzept und das Schulungskonzept für alle haupt- und ehrenamtlich Beschäftigten. In einer dieser Schulungen für Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker saß auch Katha Kreitlow.
Die gebürtige Lübeckerin, die nach ihrem Musikstudium in Lübeck ihr Berufsleben zunächst in Sereetz und dann in der Bad Schwartauer Gemeinde Cleverbrück verbrachte, fühlte sich sofort angesprochen, als es am Ende hieß, dass noch jemand für die Aufgabe einer Meldebeauftragten gesucht werde. „Das Thema Missbrauch in der Kirche hat mich schon die ganze Zeit beschäftigt und aufgeregt. Und ich habe gemerkt, dass ich an dieser Stelle konkret etwas tun kann, um etwas zu verändern.“ Da sie kurz vor ihrer Rente stand und somit auch ein hohes Maß an Unabhängigkeit gegenüber ihrem Dienstgeber hatte, bewarb sie sich. Zumal Kreitlow mit einer Zusatzausbildung als Familientherapeutin und Trauerbegleiterin auch weitere Kompetenzen für die Aufgabe mitbrachte.
Inzwischen ist Katha Kreitlow, die mit ihrem Mann in einem kleinen Örtchen bei Lübeck lebt, seit fünf Jahren in Rente. Täglich, bei jedem Wind und Wetter, ist sie in der Natur unterwegs, um sich fit zu halten. Ihr Ehrenamt hat sie abgegeben, um mehr echte Freiheit zu haben – sie war tagtäglich für etwaige Telefonate zu Präventionsfragen ansprechbar – und wollte nun auch den Raum für eine Nachfolge eröffnen.
Geschrieben am:
18. März 2026

