Ein Abschied vom Zauber von Bosau

Bosau. Seit fast 21 Jahren ist Heike Bitterwolf Pastorin der Kirchengemeinde Bosau. Nun wird die 66-Jährige am Sonntag, 17. Mai mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr in der St.-Petri-Kirche von Pröpstin Christine Halisch entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet. Im Anschluss gibt es einen Empfang im Gemeindehaus.

Pastorin Heike Bitterwolf wird am Sonntag, 17. Mai in einem Festgottesdienst in Bosau verabschiedet. Foto: KKOH/Heinen

„Der Zauber dieser Kirchengemeinde“, so beschreibt es die gebürtige Bochumerin, war und ist der besondere Charakter als Landgemeinde mit treuen Kirchenmitgliedern, einem verlässlichen Kirchengemeinderat und den Ehrenamtlichen und hauptamtlich Beschäftigen einerseits und den vielen interessierten und oft in den Ort verliebten Touristen andererseits. Der „gute Kern“ der Gemeinde wurde aus Bitterwolfs Sicht in all den Jahren durch die Gäste immer wieder aufgefrischt; Menschen, die kamen, um bei den Sommerkonzerten dabei zu sein, sich die Feldsteinkirche anzusehen oder gar dort zu heiraten. „Da kommt immer so ein bisschen frischer Wind in die Kirchengemeinde und in den Ort“, sagt sie. Und: „Etwa Dreiviertel der Trauungen entfallen auf Auswärtige.“ Der oft so bezeichnete „kleinste Dom der Welt“, dessen Entstehung auf Bischof Vicelin zurückgeht, ist Anziehungspunkt für viele Menschen, die an der Küste oder in der Holsteinischen Schweiz Urlaub machen. Regelmäßig finden Kirchenführungen statt. Und manche Auswärtige entscheiden sich sogar für eine Grabstätte in Bosau, einfach weil sie es dort mögen. Und im Sonntagsgottesdienst sitzen nicht selten Gläubige aus Plön, Eutin oder sogar Preetz.

An so einem Ort Pastorin zu sein, war für Heike Bitterwolf „schon immer etwas Besonderes“. Als sie 2005 mit ihrem zweiten Mann und ihren damals halbwüchsigen Jungs aus erster Ehe nach Bosau zog, hätten sie sich gleich sehr wohl und aufgenommen gefühlt. Entsprechend schwer fiel der Abschied, als das Ehepaar bereits vor einigen Monaten in die Nähe von Bad Segeberg übersiedelte.

Obwohl Heike Bitterwolf aus dem Ruhrpott stammt, hat sie die meiste Zeit ihres Lebens im Norden verbracht. Die Familie zog nach Kassel, als sie noch zur Schule ging. Es folgte ab 1979 ein Studium der Evangelischen Theologie in Bethel und später dann in Hamburg. Damals hatte sie ihren ersten Mann kennengelernt und für beide stand die Entscheidung an, ob sie sich in Hessen oder in der damaligen Nordelbischen Kirche ordinieren lassen würden. Es wurde Nordelbien.

Nach dem Examen 1987 – seinerzeit gab es ein Jahr Wartezeit vor dem Vikariat – ging es für das Paar zunächst nach Schwesing bei Husum und anschließend gemeinsam in die Kirchengemeinde Dagebüll-Fahretoft, wo auch die beiden Söhne zur Welt kamen und wo Heike Bitterwolf bis 2005 Pastorin blieb.

Nach Trennung und erneuter Heirat war dann endlich Bosau der Lebensmittelpunkt. Kaum angekommen, war schon von der dringend notwendigen Sanierung der Kirche die Rede, die ab 2014 Schritt für Schritt vorgenommen wurde und erst 2018 beendet war. „Das war schon ein großer Schritt und das Gefühl, so, das haben wir geschafft“, sagt Bitterwolf. Als es dann vor einigen Jahren einen Werkstattbrand in einem Gebäude nahe der Kirche gab, waren viele Menschen – von der Feuerwehr bis zum Küster – „unfassbar fleißig“, um größeres Unglück abzuwenden und Schäden zu beseitigen. „Diese Dinge sind aus der Gemeinschaft erwachsen“ und dafür sei sie „ganz, ganz dankbar“, so die Pastorin. „Es war eine reiche Zeit. Dass ich von Wehmut erfüllt bin, zeigt mir: Es muss sehr viel gut gewesen sein, sonst täte es jetzt nicht weh aufzuhören.“

Geschrieben am:

13. Mai 2026