Wer Hoffnung hat,
kann Träume leben

Fehmarn. Lena Kienle und Finja Krohn wollen professionelle Sängerinnen werden. Die zwei 19-jährigen Ostholsteinerinnen machen schon mal die Leinen los – beim Hafen-Musical „Die Flut“ der Nordkirche, das am 19. Juli auf Fehmarn gastiert.

Lena Kienle (li.) und Finja Krohn sind in den kommenden Wochen mit „Die Flut – Musical auf dem Schiff“ unterwegs. Foto: KKOH/Heinen
Manche träumen ihr Leben lang davon, einmal auf der Bühne zu stehen. Lena Kienle aus Bad Malente und Finja Krohn aus Scharbeutz fangen einfach an, ihren Traum zu leben.
Lena und Finja (beide 19) gehören zum rund 30-köpfigen Ensemble, das im Juli mit dem Musical „Die Flut“ entlang der Ostseeküste zwischen Kiel und Kühlungsborn gastiert. Das von der Nordkirche auf Kiel gelegte „Musical im Hafen“, so der Untertitel, erzählt die biblische Geschichte der Arche Noah und der Sintflut neu – in den Häfen und auf dem Dreimaster Swaensborgh, der bis Ende des Monats auch das Zuhause der jungen Leute im Alter zwischen 15 und 26 Jahren ist. Aufgeführt wird das Musical am Sonntag, 19. Juli um 17 Uhr im historischen Hafen von Burgstaaken auf Fehmarn, wobei das Schiff schon am Samstag anlegt. Karten zu 8 Euro (Kinder 4 Euro) gibt es unter  www.flut-musical.de im Internet.
Die Geschichte von der Flut und der Arche Noah ist aktueller denn je angesichts des Klimawandels und des steigenden Meeresspiegels. Wie die jungen Leute selbst darüber denken, was ihre ganz persönlichen Ängste und Hoffnungen sind, all das ist eingeflossen in das rund 90-minütige Musical, das unter der künstlerischen Leitung von Alicia Geugelin und in der Regie von Ron Zimmering direkt an der Hafenkante gezeigt wird. Dazu gibt es Musik von Udo Lindenberg, Destiny’s Child, Reinhard Mey sowie einige der Monatslieder des Popinstituts der Nordkirche. Das Besondere: Es gibt keine exponierten Hauptdarsteller, sondern es sind Gruppen wie „Beobachter“, „Kritiker“ und „Zustimmende“, die chorisch für Charaktere und ihre Einstellung stehen.
Beim Gespräch an der Strandkirche Scharbeutz Anfang Juli erzählen Lena Kienle und Finja Krohn wie alles begann. Von der Ausschreibung der Nordkirche hatten beide im vergangenen Jahr über eine gemeinsame Bekannte erfahren, die gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Kirchengemeinde Scharbeutz absolviert.
Musical, Boot, Mitmachen?! Lena musste nicht lange überlegen. „Ich dachte mir: Ich war ein Jahr Segeln und Musicals finde ich super und will das später hoffentlich beruflich machen, da melde ich mich an für das Casting.“ Auf dem Programm standen Schauspiel, Gesang und Tanz als Auswahlkriterien. Was auf sie zukommen würde, um welchen musikalischen Anspruch es gehen würde – das war alles offen. Lena war beim ersten Casting im November 2025 dabei und überzeugte sofort. Eine zweite Bewerbungsrunde konnte sie sich sparen, denn wenige Tage später rief der Regisseur an und sagte ihr zu.
Was nicht ganz so verwunderlich ist, weil die junge Frau, die gerade ihr Abi in die Tasche gesteckt hat, schon als Kind immer drauflos sang. „Es gibt Videos von mir, da habe ich mich vor meine Familie gestellt und gesagt: Ich singe euch jetzt was vor.“ Den Wunsch, auf der Bühne zu stehen, hatte Lena immer, aber in den vergangenen drei Jahren, verfestigte sich das. „Eigentlich bin ich schon so eine Rampensau“, sagt sie strahlend. „Und egal, wie ich auf die Bühne komme – irgendwie muss ich da rauf. Beim Musical fügt sich alles zusammen – Schauspielerei, Singen, Tanzen, das wäre so der Traum.“ Aber auch die Oper ist für sie vorstellbar. Seit einem Jahr nimmt Lena klassischen Gesangsunterricht und blickt längst anders auf diese Art von Musik als die meisten Gleichaltrigen: „Oper ist eigentlich echt cool.“ Ein halbes Jahr wird sie nun Musikwissenschaften studieren, bewirbt sich zugleich an Musical-Schulen und für eine klassische Gesangsausbildung.
Bei Finja Krohn ist es ganz ähnlich. Mit der Schule ist sie schon länger fertig, und sie jobbt derzeit als Tanzlehrerin. Unter anderem gibt sie einen Hip-Hop-Kurs für Kinder. Singen war schon immer ihr Ding. Seit ihrem vierten Lebensjahr ist sie im Kirchenchor, aber auch mit dem Sologesang hat sie früh angefangen. „Ich singe schon immer. Und Tanzen, das tue ich auch schon immer“ – und dazu kam „irgendwie auch Musical“, weil sie „das richtig toll fand“, sagt sie. Finja war beim zweiten Casting im Dezember dabei. Insgesamt mehr als 120 junge Leute waren für beide Termine eingeladen worden. „Ich bin einfach mit einem Lächeln nach Hause gegangen, weil es Spaß gemacht hat“, erinnert sie sich. Für Finja ist das mit dem Gesang ebenfalls nicht nur Hobby. Eine Musical-Schule, bei der sie schon vorgesungen hat, lud sie kürzlich zur zweiten Auswahlrunde ein – was mehr als die halbe Miete ist.
Lena und Finja freuen sich auf die gemeinsame Zeit an Bord der Swaensborgh, weil die Gruppe in den monatlichen Wochenend-Proben seit Jahresbeginn richtig gut zusammengewachsen sei. Was die Botschaft des Stückes angeht: Lena, die – ganz gegen ihr Naturell – zur Gruppe der Pessimisten im Stück gehört, sagt: „Unser Stück ist ganz, ganz viel auf Hoffnung ausgelegt und darauf, dass Hoffnung die Welt retten kann. Und auch muss, irgendwo.“ Und sie sagt: „Spoiler-Alarm: Wir überleben alle.“ Was ja mal eine gute Nachricht ist.
Übrigens, wem Fehmarn zu weit ist: Am 21. Juli ist das Musical auch an der Lübecker Untertrave (Nähe Hansemuseum) um 19 Uhr zu sehen.

Geschrieben am:

7. Juli 2026