Christliche Gemeinde im Wandel gestalten

Eutin. Kirchliches Leben spielt sich schon jetzt längst nicht mehr nur rund um den Kirchturm ab, sondern auch in Kitas, Pflegeheimen, Krankenhäusern und bei vielen Veranstaltungen.

Doch angesichts schrumpfender Mitgliedszahlen und schwindender Ressourcen wird sich die vorhandene kirchengemeindliche Struktur noch weiter verändern und erneuern müssen. So jedenfalls lautet der Tenor eines Eckpunktepapiers unter dem Titel „Christliche Gemeinde im Wandel gestalten“, das eine Projektgruppe im Auftrag der Nordkirchen-Leitung erarbeitet hat. Es soll jetzt in den 13 Kirchenkreisen diskutiert werden, um es weiterzuentwickeln und die Ideen und Gedanken der kirchlich Engagierten mit in den Prozess einfließen zu lassen. Entsprechend steht das Papier im Mittelpunkt der Kirchenkreissynode, die am Mittwoch, 2. April in der Eutiner Opernscheune zusammenkommt. Zu Gast ist Oberkirchenrätin Heike Hardell aus dem Finanzdezernat des Landeskirchenamtes, die auch der Steuerungsgruppe des bereits 2019 eingeleiteten nordkirchenweiten Zukunftsprozesses angehört.
Es sind vor allem zwei Entwicklungen, die seit längerem als Krisen der Kirche beschrieben werden. Zum einen geht es um die Vertrauenskrise, die spätestens mit der Veröffentlichung der ForuM-Studie zu sexualisierter Gewalt in kirchlichem Kontext offenbar geworden ist. Zum anderen haben sich die Religiosität und das Glaubensleben an sich selbst bei kirchlich verbundenen Menschen in einer Weise gewandelt, dass dies theologische Gewissheiten und Fragen der christlichen Identität berührt.
Hinzu kommen Entwicklungen, die seit langem prognostiziert werden und an die wirtschaftliche Substanz der Kirche als Organisation gehen: So werden weiter zurückgehende Mitgliedszahlen und damit verbunden auch sinkende Einnahmen aus der Kirchensteuer erwartet. Wobei die Entwicklung bei der Kirchensteuer in den vergangenen Jahren noch glimpflich ablief, weil die gesamtwirtschaftliche Entwicklung negative Effekte abpuffern konnte. Zugleich stellt sich insbesondere für die Kirchengemeinden die Frage nach dem Erhalt von Kirchen und kirchlichen Gebäuden, deren Unterhalt einen immer größeren Teil der Einnahmen aufzehrt. Nicht zuletzt steht die Kirche außerdem vor der Herausforderung, den Mangel an theologischem Nachwuchs und die damit wachsende Bedeutung ehrenamtlichen Engagements organisieren zu müssen.
Das Eckpunktepapier setzt sich deshalb unter anderem mit möglichen größeren Organisationsstrukturen und neuen Formen des Gemeindelebens auseinander.

Als zweifellos erfreulicher Punkt steht auf der Tagesordnung außerdem die offizielle Übergabe des Zertifikats „Ökofaire Einrichtung“ durch den neuen Umweltpastor der Nordkirche, Christoph Fasse. Die Synode hatte 2023 beschlossen, ein nachhaltiges Beschaffungswesen für den Kirchenkreis zu etablieren. Ziel ist, bei allen Beschaffungsprozessen in diakonischen und kirchlichen Einrichtungen konsequent die ökologischen und sozialen Auswirkungen wirtschaftlichen Handelns im Blick zu haben. Es soll verhindert werden, dass Kirche beim Kauf von Verbrauchsgütern dazu beiträgt, Umwelt und Menschen auszubeuten oder zu schädigen. Dazu hatte der Kirchenkreis eine Selbstverpflichtung unterzeichnet und eine Arbeitsgruppe gegründet, die dies nun schrittweise umsetzt. Als erstes wurde dafür ein Auditionsverfahren im Verwaltungszentrum in Neustadt sowie im Evangelischen Zentrum in Eutin durchgeführt, das jüngst erfolgreich abgeschlossen wurde.

Geschrieben am:

26. März 2025