Ausstellung „Frauen im Widerstand“ zieht von Malente nach Bliesdorf

Malente/Bliesdorf. Die Ausstellung "Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus" wandert von Malente in die Kapelle Bliesdorf. Am Dienstag, 29. Juli um 19 Uhr findet im Haus der Kirche (Janusallee 5) in Malente aber noch eine Finissage mit einem Vortrag der Eutiner Literaturwissenschaftlerin Susanne Bienwald statt.

Der Widerstand gegen das NS-Regime wird vor allem mit Männern und ihren Taten in Verbindung gebracht. Die Wanderausstellung „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ belegt, wie viele weibliche Persönlichkeiten gegen das Unrechtsregime aufbegehrten. Zum Auftakt ist die vom Frauenwerk des Kirchenkreises in Zusammenarbeit mit einigen Gemeinden organisierte Rundreise der Ausstellung in Malente zu Gast. Dort findet am Dienstag, 29. Juli um 19 Uhr im Haus der Kirche (Janusallee 5) nun eine Finissage mit einem Vortrag der Eutiner Literaturwissenschaftlerin Susanne Bienwald statt. Sie spricht über Maria Vaders (1922–1996), Rädelsführerin der sogenannten Agfa-Frauen. Diese hatten als niederländische Zwangsarbeiterinnen – viele von ihnen hatten vor ihrer Festnahme einer Widerstandsgruppe angehört – im Münchner Agfa-Werk Zeitzünder für Flakgranaten hergestellt. Am 12. Januar 1945 legten sie die Arbeit nieder und streikten so lange, bis ihnen der zuständige Kommandant eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln zusagte. An der damals 22-jährigen Maria Vaders wurde ein Exempel statuiert: Sie bezahlte ihren Widerstand mit sieben Wochen im gefürchteten „Bunker“ des Konzentrationslagers Dachau.

„Viele der Frauen damals wurden mit drakonischen Strafen belegt, sie waren mit dem Tode bedroht. In unserer Gegenwart ist es viel leichter, gegen Unrecht oder Extremismus Widerstand zu leisten. Von daher wünsche ich mir, dass sich mehr Menschen diese Frauen zum Vorbild nehmen und ihre Stimme erheben,“, sagt Susanne Bienwald. Die etwa zweistündige Finissage wird von Kantorin Susanne Schwerk musikalisch begleitet.

Am Samstag, 2. August um 16 Uhr findet dann in der Kapelle Bliesdorf (an der Bundesstraße 501 vor Grömitz) eine Vernissage zur zweiten Station der Ausstellung statt. Sie wird vor Ort bis 16. August zu sehen sein und am letzten Tag mit einer Andacht unter Leitung der Theologin Astrid Faehling vom Frauenwerk enden. Bei der Vernissage am 2. August stellt Susanne Bienwald Hildegard Hansche (1896–1992) vor, die sich bereits als junge Frau für soziale Gerechtigkeit und Pazifismus eingesetzt hatte. Unter dem NS-Regime stand sie für Demokratie ein und unterstützte jüdische Mitmenschen. 1942 wurde sie denunziert, woraufhin sie inhaftiert und als Zwangsarbeiterin eingesetzt wurde, unter anderem vom Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück aus. Hildegard Hansche überlebte den Krieg und wurde zur beständigen Mahnerin, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und den wiedererstarkenden Anfängen rechter Umtriebe entgegenzutreten.

Die (nicht barrierefreie) Kapelle Bliesdorf ist ab Sonntag, 3. August täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet; Parkplätze stehen an der Kapelle zur Verfügung. Die vom Evangelischen Presseverband für Bayern kuratierte Ausstellung kann dank der Stiftungen der Sparkasse Holstein und des Vereins Andere Zeiten in Ostholstein gezeigt werden.

Das Foto zeigt links Malentes Pastorin Andrea Pistor und rechts Astrid Faehling vom Frauenwerk.

Geschrieben am:

28. Juli 2025