Ein Moment tiefen Friedens

In Süsel wurden nach der Glockenturmsanierung die Glocken wieder angeläutet.
Der Moment davor, diese absolute Stille, als man in der gut besuchten St. Laurentiuskirche in Süsel eine Stecknadel hätte fallen hören können, er ist Teil eines besonderen Erlebnisses – dem Anläuten zweier Glocken, die seit 2018 schweigen mussten. Doch dann sind sie zu hören, erst die eine, dann die andere. In unterschiedlichen Rhythmen, die sich zu überlagern beginnen und wieder auseinanderstreben.

Sie künden an diesem ersten Advent auch von der im christlichen Glauben bevorstehenden Ankunft Jesu Christi und dem Beginn der Adventszeit.

„War das klasse?!“, ruft Pastor Matthias Hieber hinterher aus. Und Michael Meininghaus, Vorsitzender des Förderverein der Kirche, hält später fest: „Ich habe unglaubliche Gänsehaut gehabt und mir kamen ein wenig die Tränen.“ Ein Moment „tiefen Friedens“ sei das gewesen, sagt er. Auch Anne Przibilka vom Förderverein ist ziemlich überwältigt: „Der Moment der Stille und als dann die Glocken anfingen: Das kann man eigentlich gar nicht beschreiben. Das war wirklich ganz besonders.“ Die beiden hatten das Läutwerk zu Beginn des Gottesdienstes anstellen dürfen.

Da der Glockenturm von St. Laurentis in seiner Statik beeinträchtigt war, waren 2018 alle vier Glocken außer Betriebe genommen worden. Ein Förderverein wurde gegründet und Anträge gestellt. Sowohl der Bund als auch der Kirchenkreis unterstützten die Sanierung des Glockenturms, für die Kosten in Höhe von 2,1 Millionen Euro veranschlagt wurden. Mehr als eine Million Euro – die Hälfte der Kosten – hat der Bund zugesteuert, 35 Prozent der Kirchenkreis und die restlichen 15 Prozent hat der Förderverein als Spenden eingeworben.

Dass nun wieder geläutet werden kann, dazu haben viele einen Beitrag geleistet. Unter anderem die beiden ostholsteinischen Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) und Ingo Gädechens (CDU), die sich in Berlin für die Förderung stark machten. Eigentlich hatten sie zum Anläuten kommen wollen, doch beide waren kurzfristig verhindert. Gekommen waren Süsels Bürgermeister Adrianus Boonekamp, seine Stellvertreterin Swantje Meininghaus sowie Gemeindevertreter und Dorfvorstände, Vertreter von Feuerwehr und Vereinen, denen ihre Kirche am Herzen liegt.

Propst Peter Barz sprach in einem Grußwort von „einem besonderen Tag“. „Ich glaube, das ist der schönste Glockenton meines Lebens bisher gewesen“, sagte er. Und: „Ehrlich gesagt, ich habe noch nie so bewusst Glocken gehört wie heute. Ich freue mich sehr, dass ihre Glocken wieder läuten – nicht alle, aber immerhin.“ Denn die zwei kleinen Glocken müssen noch installiert werden. Glocken seien ein „Sinnbild der Harmonie“, weil sie Himmel und Erde miteinander verbänden, so der Propst. Und, wenn sie läuten, dann wisse jeder im Dorf, dass etwas Besonderes anstehe. Gefeiert wurde mit Sekt und einem Imbiss.

Glockenweihe einer Glocke aus Süsel im Jahre 1928 (Foto: privat)

Geschrieben am:

4. Dezember 2023

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