Drei Kirchengemeinden bilden neuen Pfarrsprengel

Cismar. Bei der KIrchenkreissynode am vergangenen Samstag ging es nicht nur um Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Biodiversität, sondern auch die Bildung eines Pfarrsprengels in der Region Wagrien stand auf der Tageordnung - und wurde beschlossen.

Die Kirchengemeinden haben damit als erste im Kirchenkreis den ersten großen Markstein im vor drei Jahren angestoßenen Regionenprozess erreicht. „Die drei Kirchengemeinden haben gezeigt, dass sie trotz der sich verschlechternden Rahmenbedingungen den Willen haben, eine gute Zusammenarbeit zu organisieren und die Weichen für eine gemeinsame gedeihliche Zukunft zu stellen“, sagte Propst Dirk Süssenbach. Dafür seien er und Propst Peter Barz sehr dankbar. „Wir wissen, dass das ein Prozess ist, der stattfinden muss – und trotzdem spüren wir, dass es alles andere als leicht ist, auch von Gewohnheiten Abschied zu nehmen“, so Süssenbach. Es würden bei den Menschen in den Gemeinden auch Fragen berührt, „die ans Herz gehen“.
Eine Synodale aus einer der Gemeinden bestätigte, wie schwierig und teils emotional der Prozess gewesen sei. Zwar hätten sich einige Kirchengemeinderäte wie beispielsweise auch sie selbst deshalb von ihren Ämtern zurückgezogen. Jedoch: „Wir sind soweit. Es ist einfach der Weg, und wir müssen jetzt das Beste daraus machen“, sagte sie.

Mit der rechtlichen Konstruktion eines Pfarrsprengels haben sich die beteiligten Kirchengemeinden für größtmögliche Eigenständigkeit bei unverändert fortgeltenden Gemeindegrenzen (Parochiegrenzen) entschieden. So haben die Gemeinden weiterhin einen eigenen Haushalt und entscheiden auch selbst über Anstellungsverhältnisse. Pastorale Aufgaben und Ordinationsrechte können nun aber künftig von der beteiligten Pastorenschaft auch über die Gemeindegrenzen in der Region wahrgenommen werden. Alternativ wären auch eine Fusion oder eine Kooperationsvereinbarung mit jeweils eigenen juristischen Spezifikationen möglich gewesen.

Hintergrund ist, dass sowohl die Zahl der Kirchenmitglieder rückläufig ist als auch die Zahl derer, die sich zur Pastorin oder zum Pastor ausbilden lassen. So hatte die Nordkirche 2019 vorgerechnet, dass von seinerzeit etwa 1700 Pastorinnen und Pastoren bis 2030 etwa 900 allein aus Altersgründen aus dem Dienst ausscheiden werden. Demgegenüber sei nur mit etwa 300 neuen Geistlichen zu rechnen.

Die Landessynode hatte deshalb mit Wirkung vom April 2019 ein Personalförderungsgesetz beschlossen, das alle 13 Kirchenkreise in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern zu einer stufenweisen Absenkung der Pfarrstellen verpflichtet.

Im Kirchenkreis – das hatte die Kirchenkreissynode im Juni 2019 mit dem „Pfarrstellen-Rahmenplan 2025“ bestätigt – müssen bis 2025 insgesamt 13 von 71,25 sogenannten Vollbeschäftigungseinheiten (VBE) wegfallen, um die Zielmarke von 58,25 VBE zu erreichen. 13 VBE, das entspricht summarisch der Anzahl von 13 Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises, die in dem Sechsjahreszeitraum ohnehin in den Ruhestand gegangen sein werden.

Dem für alle Kirchengemeinden geltenden Pfarrstellenschlüssel (etwa 2400 Gemeindemitglieder pro VBE) entsprechend, bedeutet das für die Kirchengemeinden Großenbrode, Heiligenhafen und Neukirchen konkret, dass sie 0,75 VBE abbauen müssen. Dies wird dadurch erreicht, dass die zweite (ganze) Pfarrstelle in Heiligenhafen aufgehoben wird, wenn Pastorin Hannegret Riepkes zum Jahresende in Pension geht. Dafür wird die Pfarrstelle von Pastorin Ulrike Kinder von 0,75 VBE auf eine ganze VBE erhöht. Somit gilt ab dem 1. Januar 2023, dass es an allen drei Standorten je ein Pfarrstellen-Dienstsitz mit einer ganzen Pastorenstelle gibt.

Bereits seit 2018 wurde in der Region Wagrien über mögliche Formen der Zusammenarbeit nachgedacht. Eine erste Absichtserklärung hatten Pastorin Ulrike Kinder (Großenbrode), Pastor Felipe Axt und Pastorin Hannegret Riepkes (beide Heiligenhafen) sowie Pastor Michael Thermann (Neukirchen) im September vergangenen Jahres abgegeben.

Geschrieben am:

12. September 2022

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