Kirchenkreis macht bei Nachhaltigkeit ernst

Eutin. Mit der Einführung eines Doppelhaushalts im Kirchenkreis Ostholstein fallen die Zwischenberichte zu den aktuellen Kirchensteuereinnahmen weniger umfangreich aus. Doch auch am Mittwochabend war die Aufmerksamkeit der 53 Synodalen groß, als Tim Gerdes, Leiter der Finanzabteilung, gegen Ende der Synodensitzung in der Eutiner Opernscheune einen kurzen Überblick gab.

Seine Botschaft: Die Einnahmen in den ersten drei Monaten des Jahres 2025 liegen etwas über Plan, doch für 2025 lasse sich „aktuell keine valide Aussage treffen“, so Gerdes. Das war etwa drei Stunden bevor US-Präsident Donald Trump seine neuesten Zollpläne bekannt gab, die ebenso eine Auswirkung auf die Kirchensteuereinnahmen haben können wie die noch nicht konkretisierten Steuerpläne der künftigen Bundesregierung. Da die Kirchensteuer prozentual zur Lohn- und Einkommenssteuer der Beschäftigten berechnet wird, gebe es da noch viele Variable. Gerdes: „Wir erwarten im Mai 2025 die nächste Steuerschätzung und damit mehr Informationen und Indikatoren, in welche Richtung es gehen kann.“

Für das Jahr 2024 hätten die Einnahmen mit insgesamt 16,9 Millionen Euro etwa 337.000 Euro über der Finanzplanung gelegen. Diese sei durchaus präzise gewesen, doch es habe Ende 2024 einen überraschend positiven Effekt durch die Zuweisung der sogenannten Clearingmittel gegeben, die um 300.000 Euro höher ausgefallen waren als erwartet. Bei Clearingmitten handelt es sich um kompliziert zu berechnende Ausgleichszahlungen, die – mit einigem zeitlichen Abstand – für die verschiedenen Landeskirchen berechnet werden. Eine Wiederholung dieses Effekts sei allerdings nicht zu erwarten, sagte der Leiter der Finanzabteilung.

Zum Auftakt der Synode hatte der seit März im Amt befindliche Umweltpastor der Nordkirche, Christoph Fasse, eine Andacht gehalten und wenig später das Zertifikat „Ökofaire Einrichtung“ für das Evangelische Zentrum in Eutin und das Kirchliche Verwaltungszentrum in Neustadt übergeben. „Mit dieser Auszeichnung würdigen wir das Engagement und die vorbildliche Arbeit der Kirchenkreisverwaltung an ihren beiden Standorten“, sagte Fasse. Der Kirchenkreis war vor rund zwei Jahren die Selbstverpflichtung eingegangen, sich in Fragen der Beschaffung und des täglichen Verbrauchs an Nachhaltigkeitskriterien zu orientieren und die ökologischen und sozialen Auswirkungen seines wirtschaftlichen Handelns stets im Blick zu haben. So wird beispielsweise bei der Beschaffung von Papier auf den Blauen Engel geachtet, fair gehandelter Tee und Kaffee konsumiert und es wurden vier elektrische Dienstfahrzeuge angeschafft. Außerdem wurden die Mittel für die Klimaschutzmaßnahmen von 0,8 Prozent auf zwei Prozent der Schlüsselzuweisungen erhöht. Pastor Fasse: „Sie senden damit ein starkes Signal nach innen und nach außen. Nachhaltigkeit ist nicht nur möglich, sondern Nachhaltigkeit ist wirklich inspirierend.“

Im Mittelpunkt des Abends stand die Beschäftigung mit dem Nordkirchen-Eckpunktepapier „Christliche Gemeinde im Wandel gestalten“, dessen Genese zunächst von Heike Hardell vom Finanzdezernat des Landeskirchenamtes, die der Steuerungsgruppe zum Zukunftsprozess der Nordkirche angehört, erläutert wurde. Sie beschrieb auch die Herausforderungen, vor denen die Evangelische Kirche (nicht nur) im Norden steht. So werde die Zahl der Kirchenmitglieder im Bereich der Nordkirche laut einer Studie bis 2060 von derzeit 1,8 Millionen auf rund 700.000 zurückgehen. „Die Pastorinnen und Pastoren, von denen wir jetzt noch über 1500 in unserem Dienst zählen dürfen, werden 2035 nur noch rund 730 sein“, sagte sie. Und auch der Kirchensteuer-Kaufkraft-Index gibt Anlass zur Sorge. Gegenüber dem Stand von 2019 werde er 2060 bei nur noch 51 Prozent liegen, aber schon 2035 bei nur noch 70 Prozent. Das Eckpunktepapier beinhalte Lösungsansätze, wie auf dieser Grundlage neue Gestaltungsspielräume erschlossen werden können. Dazu gehöre auch die „Wahrnehmung und Würdigung unterschiedlicher Gemeindeformen, über die dann die Kirchenkreise entscheiden.“ Konkret geht es zum Beispiel um sogenannte „themenorientierte Gemeinden“ und „Erprobungsräume“ in denen kirchliches und diakonisches Handeln unter dem Dach der Kirchenkreise organisiert wird, aber nicht an eine Ortsgemeinde gebunden ist. Die Kirchenkreise sind auch diejenigen, die die Resonanz der Basis auf das Eckpunktepapier bündeln. Die Synodalen formulierten in Arbeitsgruppen zu den Themen Verkündigung, Gemeindeformen, Kirchenmitgliedschaft und Gebäude erste Reaktionen und Thesen, die ihrer Einschätzung nach einer genaueren Betrachtung bedürfen.

Die Synode billigte außerdem ohne Gegenstimmen zwei Beschlüsse zu den Pfarrstellen, nahm Einblick in den Stand des Friedhofprozesses und hörte den Bericht zur vergangenen Landessynode.

Geschrieben am:

3. April 2025