Am Ewigkeitssonntag über das Leben nachdenken

Die einen nennen ihn Totensonntag, die anderen Ewigkeitssonntag – den letzten Sonntag, bevor mit dem 1. Advent ein neues Kirchenjahr beginnt.

Ewigkeitssonntag

Hierzu laden die vielen Kirchengemeinden im Kirchenkreis Ostholstein am Sonntag, 20. November ein. Neben dem Gedenken an die Verstorbenen wird in vielen evangelischen Gottesdiensten auch zu einem bewussteren Umgang mit der Lebenszeit ermutigt. „Wem es gelinge, Abschied und Tod im Alltag zu bewältigen, der bekomme auch sein Leben besser in den Griff“, heißt es in christlichen Lebenshilfen. Der Verlust eines Menschen ist oft unsagbar schmerzlich und kaum zu verkraften. Aber auch daraus kann neue Kraft erwachsen, neue Kraft, um weiterzumachen und Neues entstehen zu lassen. Vergänglichkeit kann somit – anders betrachtet – nicht nur als Verlust wahrgenommen werden.

Totensonntag – Ewigkeitssonntag: Beide Begriffe haben ihre Berechtigung, beide erinnern an die Vergänglichkeit und Begrenztheit menschlichen Lebens. Der Ewigkeitssonntag ruft uns die Menschen bewusst ins Gedächtnis, von denen wir im vergangenen Jahr für immer Abschied nehmen mussten. In Gottesdiensten werden die Namen der Verstorbenen verlesen, und oft werden Kerzen für jeden einzelnen zur Erinnerung entzündet.

Viele Menschen versuchen, im Interesse ihrer Angehörigen im Voraus alles zu regeln, was mit dem eigenen Tod zusammenhängt. Andere wollen sich auf den vielleicht aus Alters- oder Krankheitsgründen absehbaren Tod eines geliebten Menschen vorbereiten. Denn ihnen ist klar: Im Moment der Trauer fällt es ungleich schwerer, wichtige Entscheidungen für den Abschied zu treffen. Wenn die Dinge nicht geregelt sind, dann bleibt meist nur wenig Zeit, um sich über verschiedene Angebote zu informieren. Doch es sind Entscheidung zu treffen, zu denen die Familie auch in vielen Jahren noch stehen soll. Ein Beispiel: Anonyme Gräber gelten noch immer als praktische Alternative, doch viele Angehörige bereuen später, dass sie keinen wirklichen Ort haben, an den sie mit ihrer Trauer gehen können. Es ist deshalb hilfreich, sich vorher darüber Gedanken zu machen.

Die Vielfalt der Bestattungsmöglichkeiten ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewachsen. „Das Grab des Opas auf dem Friedhof, das von Oma sorgsam gepflegt und alle vier Wochen mit frischen Blumen bedacht wird, ist immer noch eine geschätzte Bestattungsform. Doch pflegefreie Grabarten wie etwa thematisch gestaltete Anlagen sind auf kirchlichen Friedhöfen ebenfalls sehr beliebte Angebote“, erläutert Alexander Kroll, Friedhofsbeauftragter beim Kirchenkreis Ostholstein. Sein Kollege Bernd K. Jacob vom Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg bestätigt das und verweist auf die Vielfalt der möglichen Gestaltungsformen. „Ob Baumgräber, Waldgräber, Heidelandschaften, norddeutsche Wildrosendünen oder Schmetterlingsstauden, ob klar strukturiert oder wild und verwunschen, ob Rasenfläche oder Blütenmeer. Es lohnt sich, die Möglichkeiten zu Lebzeiten kennenzulernen und zusammen mit Angehörigen Entscheidungen zu finden“, sagt er und verweist darauf, dass ja auch die Wahl des Friedhofs in der Regel frei ist.

Für Urnen mit Asche gibt es neben Friedhöfen noch sehr viel mehr Möglichkeiten, etwa Kolumbarien, Wald- oder Seebeisetzungen. Bernd K. Jacob: „Wir können uns entscheiden: Wie möchten wir trauern und wie ertragen wir den Verlust am leichtesten?“
Ein wichtiger Gesichtspunkt ist dabei, ob ein Ort helfen kann, den eigenen Schmerz dorthin zu tragen und ob eventuell auch die Vorstellung einen Unterschied macht, ob dort die Asche eines Menschen begraben liegt oder der Mensch, wie man ihn kannte.

Ein Friedhof sei, so findet Alexander Kroll, „ein idealer Ort“, um die Natur im Wandel der Jahreszeiten zu sehen und die deutlich sichtbaren Zeichen von Vergehen und Erwachen, von winterlicher Ruhe oder dem frühlingshaften Entfalten des Lebens der Insekten, Vögel und anderer Tiere zu beobachten. Kroll: „Ein Friedhof ist ein greifbares Symbol für den Kreislauf des Lebens.“

 

Das Foto zeigt Bernd K. Jacob (li.) und Alexander Kroll

Autoren: Bastian Modrow und Marco Heinen

Foto: Bastian Modrow

 

Geschrieben am:

18. November 2022